Im Leben der Zisterziensermönche des Klosters Heisterbach spielten Fische und damit Fischteiche, vor allem durch das religiös bedingte Fleischverbot in der Fastenzeit, eine große Rolle. Davon geprägt war und ist das Gelände innerhalb der Klostermauern (intra muros) aber auch die Landschaft außerhalb des Klosters trägt hiervon deutliche Spuren. Die Bewirtschaftung der Teiche wurde, wie in vielen anderen Klöstern auch, nach der Säkularisation aufgegeben und die Fischteiche in Grünland umgew
andelt. Mit der landschaftlichen Neuordnung der Klosterlandschaft ´extra muros´ im Rahmen des Regionale 2010 Projektes soll der inhaltliche und räumliche Zusammenhang zwischen dem Kloster und der umgebenden Kulturlandschaft, die durch das Handeln der Zisterzienser wesentlich geprägt wurde, erlebbar gemacht werden. Vor allem die Bedeutung der Fischteiche und Wasserläufe sollen wieder sichtbar und erfahrbar gemacht werden. Die derzeit noch in Rohren verlaufenden Bäche Keltersiefen und Heisterbach werden auf einer Länge von insgesamt 850 Metern aus dem steinernen Korsett befreit und naturnah ausgebaut. Der neue Verlauf der Bäche ist bereits vor Ort an Hand der farbigen Markierungspflöcke zu erkennen. Rheinsteigwanderer, die die Baustelle am Kloster Heisterbach kreuzen, werden von den Baumaßnahmen nicht behindert. Der Rheinsteig bleibt während der gesamten Bauzeit uneingeschränkt begehbar. Im Zuge der Renaturierung der Bäche wird auch der unterhalb des Klostergeländes gelegenen Schüsselweiher mit an den Wasserlauf angeschlossen.
Parkplatz wird zu einem späteren Zeitpunkt auf die andere Straßenseite an die Klostermauer verlegt
Wieder neu angelegt wird hingegen ein ehemaliger Teich, der sich im Bereich des derzeitigen Parkplatzes gegenüber dem Torhaus befunden hat. Der Parkplatz wird zu einem späteren Zeitpunkt auf die andere Straßenseite an die Klostermauer verlegt. Dieser Teich steht stellvertretend für die weiteren ehemaligen Teiche, die in einem späteren Bauabschnitt ebenfalls wieder sichtbar gemacht werden sollen. Allerdings werden diese nicht als Wasserflächen ausgebildet, sondern durch extensiv bewirtschaftete Grünlandflächen kenntlich gemacht. Auch wenn die Offenlegung der Bäche und die Neugestaltung des Teiches aus kulturhistorischen Gründen erfolgen, tragen die Maßnahmen vor allem auch zu einer deutlichen Aufwertung der Landschaft in Hinblick auf die Natur und den Naturschutz bei. Hier wird besonders deutlich, dass die Wiederherstellung dieser Kulturlandschaft und der Naturschutz im Heisterbacher Tal nicht im Widerspruch stehen, sondern sich vielmehr sinnvoll ergänzen.
Geschichte des Klosters:
Das Zisterzienserkloster wurde 1189 durch den Kölner Erzbischof Philipp von Heinsberg gegründet und durch Mönche der Abtei Himmerod besiedelt. Nach wenigen Jahren begannen die Mönche mit dem Bau einer großen romanischen Klosteranlage, die bis etwa 1237 vollendet wurde. Von dieser Anlage zeugt heute nur noch die Chorruine der Klosterkirche. Nach einer wechselvollen Geschichte erlebte das Kloster in der ersten Hälfte des 18. Jahrhunderts eine letzte große Blütezeit. Torhaus, Wirtschaftshof und Brauhaus zeigen heute noch dem Besucher die Pracht des barocken Neubauprogramms. Die meisten Gebäude des Klosters und die sie umgebenden Gartenanlagen sind heute verschwunden. Ihr Ende kam mit der Aufhebung des Klosters im Jahre 1803. Nachdem alle Versuche, die Gebäude einer neuen Nutzung zu zuführen gescheitert waren, begannen die Abbrucharbeiten. Als Heisterbach 1820 vom Grafen zu Lippe-Biesterfeld gekauft wurde, standen lediglich die Chorruine und Teile des Westgiebels der Klosterkirche. Im Geist der beginnenden Romantik wurde die Ruine in den 1826/27 geschaffenen englischen Landschaftspark, der vom Gartenarchitekten Maximilian Friedrich Weyhe geplant worden war, einbezogen. Auch die Spuren dieser Gartenanlage, die in gekonnter Weise Parkelemente mit den Obstwiesen des Gutshofes verknüpfte, sind heute nur noch schwer erkennbar.
Sonntag, 25. Juli 2010